Bericht über digitales Zentralbankgeld

Allgemein zugängliches digitales Zentralbankgeld würde für die Schweiz gegenwärtig keinen Zusatznutzen bringen. Vielmehr entstünden neue Risiken, insbesondere im Bereich der Finanzstabilität. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 13. Dezember 2019 einen Bericht gutgeheissen, in welchem die Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Einführung eines Kryptofrankens (e-Franken) geprüft werden. Damit erfüllt er einen Auftrag des Nationalrats. Der Bundesrat und die Schweizerische Nationalbank verfolgen das Thema weiterhin aktiv.

Das vom Nationalrat angenommene Postulat Wermuth (18.3159) hatte den Bundesrat beauftragt, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Einführung und Herausgabe eines Kryptofrankens (e-Frankens) zu untersuchen. Der Bundesrat hatte das Postulat zur Annahme empfohlen, da er das zunehmende Interesse an Kryptowährungen, digitalen Zahlungssystemen und auch digitalem Zentralbankgeld beobachtet. Er ist den wesentlichen Fragen, die mit digitalem Zentralbankgeld verbunden sind, in einem jetzt vorliegenden Bericht nachgegangen.

Als digitales Zentralbankgeld wird dasjenige Geld bezeichnet, das eine Zentralbank in digitaler Form schaffen könnte, um es der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Es wäre eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Formen von Zentralbankgeld, also den Banknoten und den von den Geschäftsbanken bei der Zentralbank gehaltenen Sichtguthaben. Die genaue Ausgestaltung wäre vom Zweck abhängig, den das digitale Zentralbankgeld erfüllen soll. Die verschiedenen Möglichkeiten werden im Bericht erläutert.

Digitales Zentralbankgeld wird auch in anderen Ländern diskutiert. Die meisten Zentralbanken beschäftigen sich mit dem Thema und mit den möglichen Auswirkungen. Allerdings planen nur wenige Zentralbanken, kurz- bis mittelfristig digitale Währungen auch auszugeben, namentlich China und Schweden.

Für die Einführung von digitalem Zentralbankgeld bei der breiten Bevölkerung werden in der Öffentlichkeit und Wissenschaft unterschiedliche Gründe und Erwartungen angeführt. Befürworter erhoffen sich einen besseren Zugang der Bevölkerung zu Zahlungs- und Finanzdienstleistungen sowie eine Antwort auf das Bedürfnis nach digitalem Geld ohne Schuldnerrisiko. Einige Ökonomen rechnen damit, dass der Zahlungsverkehr mit digitalem Zentralbankgeld effizienter, die Geldpolitik wirksamer sowie das Finanzsystem insgesamt stabiler würden. Weiter erhoffen sich die Befürworter, dass mit digitalem Zentralbankgeld Steuerdelikte und Geldwäscherei reduziert werden könnten.

Zusatznutzen zurzeit gering – Risiken überwiegen

Die im Bericht vorgenommene Analyse zeigt, dass digitales Zentralbankgeld diese Erwartungen nicht oder nur bedingt erfüllen kann, die Auswirkungen je nach Ausgestaltung vielschichtig sein können und es für die meisten genannten Bereiche bessere Lösungen gibt. Der Bundesrat ist deshalb der Auffassung, dass allgemein zugängliches digitales Zentralbankgeld gegenwärtig keinen Zusatznutzen bringt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) teilt diese Auffassung. Sie sieht vor allem die neuen Risiken für die Geldpolitik und die Finanzstabilität als grosse Herausforderung.

Erfolgversprechender erscheint nach heutigem Stand die Strategie, digitales Zentralbankgeld, das ausschliesslich für Finanzmarktakteure bestimmt ist, weiterzuentwickeln. Dieses hätte nicht dieselben weitreichenden und grundlegenden Auswirkungen wie allgemein zugängliches digitales Zentralbankgeld. Ein von der SNB herausgegebener «Wholesale Token» könnte möglicherweise dazu beitragen, die Effizienz im Handel, der Abwicklung und der Bewirtschaftung von Wertschriften zu erhöhen.

Der Bundesrat und die SNB verfolgen das Thema weiterhin aktiv. Die rasche technologische Entwicklung, sich ändernde Zahlungsbedürfnisse und die Erfahrungen anderer Länder können in Zukunft zu einer neuen Beurteilung von Chancen und Risiken von digitalem Zentralbankgeld für die breite Bevölkerung führen.

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